Authentizität gewinnt an Wert
KI-Kennzeichnungspflicht: Warum „Von Menschen gemacht“ jetzt ein Qualitätssiegel ist.
Seit ein paar Tagen ist die Aufregung groß. Es prangt auf gefühlt jedem zweiten Werbeprospekt und Social-Media-Post derselbe kleine KI-Hinweis. Vom Flyer im Briefkasten bis zur digitalen Werbekampagne: alles gleich brav gelabelt. Wer jetzt gegen den Mainstream schwimmt, kann daraus ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln.
Das steckt hinter der KI-Kennzeichnungspflicht
Seit dem 2. August gilt in der gesamten EU eine neue Regel aus der europäischen KI-Verordnung (AI Act). Bestimmte Inhalt, die mit der KI erstellt oder bearbeitet wurden, müssen gekennzeichnet werden. Das gilt jedoch nur für Unternehmen, Behörden und kommerziell agierenden Personen wie etwa Influencer. Ziel ist es, dass Verbraucher jederzeit erkennen sollen, ob das, was Sie gerade sehen oder lesen, von Menschen oder der KI hergestellt wurde.

Konkret betrifft die Pflicht vor allem:
- Deepfakes – also täuschend echt wirkende, KI-erzeugte Bilder, Videos oder Audioinhalte
- KI-generierte oder KI-bearbeitete Texte zu Themen von öffentlichem Interesse
- Interaktive KI-Systeme, wie Chatbots Sprachassistenten am Telefon oder digitale Avatare. Verbraucher müssen informiert werden, dass sie mit einer Maschine kommunizieren.
Klare Fantasieszenen, Cartoons, Comics oder abstrakte Grafiken ohne Realitätsbezug sowie alltägliche Standardbearbeitungen an Bildern sowie das Entfernen unwesentlicher Hintergrunddetails fallen nicht unter die KI-Kennzeichnungspflicht.
Was hat das jetzt mit meiner Marke zu tun?
Viel, denn es geht um Glaubwürdigkeit und Authentizität. Natürlich ist die KI ein großartiges Hilfsmittel. Wir lieben sie. Aber wir können doch nicht zulassen, dass dadurch unsere mühsam aufgebauten Marken kaputtgehen. Die Marke ist die Seele in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen. Und die kann die KI nicht abbilden, denn sie hat keine. Sie nimmt sich das, was sie gelernt hat und baut daraus etwas, was danach aussieht, aber die eigentlichen Werte nicht vermittelt.

Genau hier liegt die Chance für Unternehmen. Denn die KI-Kennzeichnungspflicht lässt ja den Einsatz von KI zu, ohne gleich labeln zu müssen. Wir können also effizient und dadurch auch kostengünstiger (nicht immer) arbeiten, aber alles ohne Label ist erkennbar von Menschen gemacht und somit eine vertrauensbildende Maßnahme. Der Mensch hat den Markenkern im Blick, er handelt aus Erfahrung, erkennt Fehler im Corporate Design oder dem Wording. Sicher gibt es Kampagnen von Menschen gemacht, die das Blaue vom Himmel erzählen und der Kunde erst beim Nutzen des Produktes merkt, dass die Werbebotschaft nicht passt. Das liegt in der Natur von Werbung.
Aber für Unternehmensmarken darf das nicht gelten. Sie müssen halten, was sie versprechen. Denn das wirkt sich nicht nur auf den Umsatz aus sondern auf das Recruiting, die Mitarbeiterbindung, die Verhältnisse zu den Lieferanten. Alles wichtige Faktoren, die über den Erfolg eines Unternehmens mitentscheiden.
Tipps für Ihre Kommunikation
- Bewusst auf „von Menschen gemacht“ setzen – nicht als Marketing-Floskel, sondern als sichtbares Qualitätsversprechen
- Eigene Bild- und Videoproduktion stärken, statt auf generische KI- oder Stock-Assets zurückzugreifen
- Die eigene Stimme in Texten bewahren – Tonalität, Haltung, Details, die kein Modell erfindet
- Transparenz zum Vorteil machen: Wer ohnehin überwiegend „echt“ produziert, kann das offen kommunizieren, während andere sich mit Labels erklären müssen
- Gezielt zeigen statt nur behaupten: Blick hinter die Kulissen, echte Gesichter, echte Orte – das lässt sich kaum künstlich erzeugen
